Logbuch

 

 

 

3. Juni 2016

Die Hafenmeisterin in Röbel hat uns einen Liegeplatz zugesagt. Genauer: sie sagte „ich denke schon, doch!“. Wir fahren da also wohlgemut hin und laufen ins Hafenbecken ein. Meine Anrufe an ihr Handy gehen ins Leere. Wir fragen uns, wo denn wohl unser Liegeplatz sein könnte. Im Hafen haben wir uns ja nicht getäuscht. Also legen wir erst mal bei den Fahrgastschiffen an. Und jetzt ist auch sie da. „Das ist aber ein langes Teil“ meint sie erschrocken und nach meiner Nachfrage, wohin wir uns denn legen sollen, hat sie keine Ahnung. Zur Erklärung sei gesagt, dass wir immer einen Tag vorher nach einem Liegeplatz fragen mit Angabe der Länge des Schiffes. Jetzt gucken wir in die Röhre. Alle Anfragen an umliegende Häfen werden negativ beantwortet. Zu gross, zu schwer, Angst um den Schwimmsteg etc. Auch der Stadthafen in Waren sagt erst mal ab und nach nochmaligem Nachfragen sind die Hafenmeister Jens und Udo bereit, zwei Schiffe zu verschieben, damit wir anlegen können. Es ist drückend heiss, der Schweiss läuft runter. VERANDEREN hält gute, kühle Duschen bereit für uns bereit. Am Abend geniessen wir die St.Tropez-Stimmung hier am Quai und gehen fein essen. So beginnt manches schwierig und wendet sich urplötzlich ins Glückliche!

 

Anfahrt zum Stadthafen Waren an der Müritz

 

Udo vom Hafendienst Waren sieht alles und hat alles im Griff

 

Die MS EUROPA läuft aus dem Stadthafen Waren aus

 

 

6. Juni 2016

In Waren ist längst die Urlaubszeit ausgebrochen. Touristen im Hafen-Schlendermodus promenieren an unserem Schiff vorbei. Ich habe gefühlte dreissig Mal erklärt, wie man von der Schweiz hierher kommt, dass unser Schiff aber noch gar nie in der Schweiz war. Schwierig zu verstehen. Momentan tüfteln wir an einer Einfach-Erklärung herum, die nicht mehr als ein Satz lang ist und trotzdem freundlich klingt. Den Unterschied zwischen rotem Kreuz auf weissem Grund und andersrum habe ich auch erklärt. Aber die Menschen sind durchweg alle höflich und nett und so wollen wir uns als Gäste auch benehmen.

 

Velofahrend im Müritz Nationalpark

 

Gestern haben wir den Radweg in den Nationalpark Müritz mit unseren Flyern gefahren. Wunderbare Tour durch lichte Mischwälder auf guten Radwegen und kaum Höhenunterschiede, die zu bewältigen sind. Es ist ein tolles Erlebnis, solch grosse, der Natur überlassene Gebiete durchfahren zu können. Zwei winzige, abgeschiedene Dörfer, Schwarzenhof und Federow, liegen noch irgendwo zwischen gestern und heute. Die Zeit ist stillgestanden, so scheint es. Den grössten Lärm machen die Grillen. Kein Zivilisationskrach, keine Hektik, gemächlich tröpfelt das Leben dahin. Am Platz vor dem ehemaligen Gutshof in Boer steht die 700-jährige Linde. Gross, beeindruckend und kerngesund. Sie war schon uralt, als der kleine Franzose mit seinem Heer durch Europa zog. Sie hat die Führungsriege der DDR bei der Jagd auf den Hirsch gesehen und ist auch nicht umgefallen, als die russischen Panzer unter ihr standen.

 

 

7. Juni 2016

Unser (Wasser)weg führt weiter über den Kölpinsee, den Fleesensee, im Städtchen Malchow durch die Drehbrücke zum Plauersee und in den Elde-Hafen in Plau am See. Zu dieser Jahreszeit sind noch nicht so viele Mietboote unterwegs. Trotzdem haben wir uns einen Platz reservieren lassen und es war erst um elf Uhr klar, dass einer frei würde für uns. In der Sommersaison dürfte das für uns ziemlich unmöglich sein. An Engstellen wie der Malchower Drehbrücke stauen sich die Boote schon jetzt, weil die Brücke nur zu jeder vollen Stunde geöffnet wird. Das Städtchen Plau am See strahlt eine wohltuende Ruhe aus. Den beschaulichen Lebensrythmus scheinen auch die am Quai entlang schlendernden Touristen ganz von selbst zu übernehmen.

 

In Plau am See hebt sich die Brücke über die Elde seit hundert Jahren

 

Schilder wie aus einer anderen Zeit. Sollte die Welt einmal untergehen, würde sie in Mecklenburg Vorpommern zehn Jahre später verschwinden, sagt man

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18. Juni 2016

Schöner kann man’s nicht sagen...

 

Wir liegen am Quai in Waren. Übersetzt heisst das: So ziemlich jeder Feriengast schlendert hier gemächlich vorbei und da hat man halt auch so die eine oder andere Frage. Ob wir Aussteiger seien, wurden wir auch schon gefragt, was ich dann entrüstet verneint habe. Kommt eben drauf an, was mit „Aussteiger“ genau gemeint ist. Die Antworten auf die meist gestellten Fragen („Wie kommt man von der Schweiz hierher?“ usw.) haben wir jetzt auf einem kleinen Blatt notiert und ans Schiff gehängt. Wie hiess doch gleich das Lied von Franz Hohler? „Si alli so nätt“. Unversehens ergibt sich manchmal ein wirklich gutes Gespräch. Das empfinden wir dann als echte Bereicherung. Und was war bisher die „originellste“ Frage? “Sachen se mal, war das früher mal ein Kanonenboot?“ Ich war zu wenig geistesgegenwärtig, um das zu bejahen. Immerhin geht im Hafen jetzt der Spruch „VERANDEREN macht am Morgen wieder gefechtsbereit“.

 

Thesi ist auch ein Gemüse-Couscous Präzisionsarbeit

 

Das ist kein plumper Hinweis auf meine Fahrkünste

 

19. Juni 2016

Da muss eine Baum-Umarmerin am Werk gewesen sein

 

Bäume sind in der Mecklenburgischen Seenplatte ein grosses Thema. Abgesehen einmal von den grossen Mischwäldern im Nationalpark, den Buchenwäldern allüberall haben es uns beim Radfahren vor allem die wunderbaren Allen angetan. Das ist so ein tolles Gefühl, unter den schattenspendenden Alleebäumen gemächlich hinzugleiten (wir gestehen, dass es mit dem E-Flyer grad nochmal so viel Spass macht). Ich hatte aber noch nie im Leben eine 1’200-jährige Eiche gesehen oder eine 800-jährige Linde. Die stehen hier vor Gutshäusern und im Müritz-Nationalpark. Ein Menschenleben ist im Vergleich ein Mückenschisschen! Was sind da doch Generationen darunter gesessen, vielleicht sass man zu Gericht, man hat sich ewige Liebe geschworen, ist in den Krieg gezogen.

 

 

20. Juni 2016

Thesi ist nicht zu bremsen und will unbedingt den Salonboden abschleifen und neu lackieren. In Etappen, wie sie mir erklärt. Hartes Tropenholz, harter Lack, grosse Fläche. Aber alles ganz easy, wie sie meint. Und eigentlich haben wir alles an Bord, was dazu nötig ist. Eine prima Schleifmaschine mit dazugehörigem Staubsaugegerät, viel Schleifpapier für die Maschinen und zum Feinabeiten von Hand. So ist unsere VERANDEREN wieder mal zur Baustelle umfunktioniert worden. Der uns so vertraute Geruch des Verdünners weckt schon fast heimelige Gefühle. Gottseidank sind die Temperaturen für die Jahreszeit eher kühl. Wir erinnern uns nämlich (mit leichtem Schaudern) an die 36 Grad im Juli letzten Jahres im Hafen Oranienburg, als wir uns in den Kopf gesetzt hatten, das Steuerhaus zu lackieren.

 

 

30. Juni 2016

Am Quai in Waren, zweite Woche. Umzingelt von Mietyachten und ganz wenigen Seglern. Heute weht der Wind aus West mit sieben Beaufort. Ganz schlecht zum Fahren. Wer aber die Yacht für eine Woche gemietet hat, der will halt was erleben und fährt trotzdem raus. Und die erleben dann wirklich etwas! Der Wind treibt fast jedes Schiff im Hafen gegen die Kade, gegen andere Schiffe, generell gegen alles, was weiter hinten im Wege steht. VERANDEREN liegt zuhinterst... Um uns einigermassen vor dem Putschautöli-Betrieb zu schützen, haben wir alle Fender, Reibhölzer und Pneus runtergehängt. Da wären wir dann wieder bei der Frage nach dem Kanonenboot... Wer sein Schiff nicht mehr kontrolliert, gerät in Panik, macht Fehler und so kommt es, dass der Hafenmeister von Mitleid gepackt wird und den einen oder anderen mit seinem Gummiboot in die Box hineinschieben muss.

 

 

2. Juli 2016

Logenplatz zuvorderst am Quai in Waren

 

Wer beguckt sich nun wohl eher wen hier? Keine Frage- wir sind unfreiwillig Ausstellungsobjekt, das man kommentieren, begutachten kann. Für die Menschen hier ist es schwer nachzuvollziehen, wie man mit dem grossen Teil hier angekommen sein soll. Wir sind in einem Binnenseen- Gebiet. Noch dazu mit reichlich schmalen Schleusen. Der Normalfall ist ein 8-Meterboot und natürlich sind das die Mietyachten (wir nennen sie der grossen Aufbauten wegen „Maisonette-Wohnungen“). Von denen wimmelt es hier. Unter ihnen gibt es alles, was das Herz begehrt. Am beliebtesten scheinen die schicken, glänzenden, luxuriösen Yachten zu sein. Bei Bedarf auch mit Aussen-Sprudelbad zu haben. Etwas bescheidener nehmen sich die funktional (will heissen eher unästhetisch gestylten) Kuhnle-Boote aus. Eckig, gerade Linien, grosse Dachterrassen, ähnlich einem Bügeleisen. Nicht zu vergessen die Motorboote à la Mallorca, weisses Leder, schnittige Form, übermotorisiert, geht fast nur mit zugehörigem Fotomodell auf dem Deck liegend. Dann die bescheidenen, aber sehr sympathischen Ex-DDR Boote, eher klein, Camping-Feeling, Gaskocherli, bezahlbar und herzig. Und nicht zuletzt die Segler, mal weiss und neueren Datums, mal (leider zu selten) ganz tolle alte Holzboote, liebevoll gepflegt und gehätschelt, fast immer frisch lackiert. Eine Augenweide und jedes ein Kunstwerk.

 

Die Übersicht und den Durchblick behalten ist angesagt auf dem Schiff

 

 

6. Juli 2016

Das Wetter will nicht so. Gerade richtig für uns und unsere Baustelle. Wir schleifen die Böden, was das Zeug hält. Erst mit der Rundschleifmaschine und grobkörniger Schleifscheibe, dann mit immer feineren Scheiben und dem Rutscher, bis das alles sauber und glatt ist. Schäden am Holz bessern wir mit harzvermischtem Holzstaub aus, damit die Farbe auch stimmt. Und das ist nur möglich, weil die Schleifmaschinen direkt am Sauggerät angeschlossen sind und der Staub so immer weggesaugt wird. Wir schaffen sieben Riemen in zwei Tagen und lackieren sie anschliessend dreimal mit Saico Hartwachsöl. Das bedeutet vier Wochen Arbeit.

 

 

 

Vorne frisch geschliffen, in der Mitte zweimal und hinten dreimal lackiert.

 

 

9. Juli 2016

Wir unterbrechen die Arbeiten immer wieder und machen tageweise Ausflüge mit dem Velo und dem Auto. In Malchow sehen wir, was man immer noch oft findet im Osten Deutschlands: Eine Hausruine, wohl nicht mehr zu retten, mitten in der Stadt. Vielleicht ist der Besitzstand ungeklärt, vielleicht haben die ehemaligen Besitzer „rübergemacht“, wie man hier die Flucht aus der DDR nannte. Oder vielleicht hat man einfach hier keine Zukunft für sich gesehen und hat alles stehen und liegen gelassen.

 

Hausruine mitten in der Stadt Malchow

 

Um der Gerechtigkeit willen: hier ein liebevoll renoviertes Haus in Malchow. Die Besitzer erhielten dafür zu Recht Anerkennung und Auszeichnung der Stadt.

 

Ein Muss ist der Besuch des Müritzeums, wenn man in Waren ist. Ein gut und informativ gemachtes Museum, das einem Region, Brauchtum, Naturschutz-Projekte, wirtschaftliche Situation, Geschichte und und und... näherbringt. Im Untergeschosssind schwimmen in grossen und kleinen Aquarien die Fische und Wirbellosen der hiesigen Seen.

 

Keine eigentliche Schönheit, aber beeindruckend schon

 

 

 

11. Juli 2016

Peti Polin und Lucy Schuler von der MY „La Vie“

 

Am Mittag läuft unter Schweizer Flagge die Motoryacht „La Vie“ mit Peti und Lucy Polin ein. Sie sind über die Elbe, Elde, Plau am See nach Waren gekommen und wollen dann südwärts nach Berlin fahren. Peti fährt Im Berner Oberland Postauto, wenn er nicht grad lange mit dem Schiff unterwegs ist und Lucy ist dann Pflegefachfrau im Spital Interlaken.

 

Stangen mit Anhängerkupplungen als Distanzhalter zu schrägen Kanalwänden

 

Schiff-seitig geschweisste Kugeld zum Einhängen der Anhängerkupplungen

 

Peti hat auf seinem Schiff eine ebenso einfache wie geniale Einrichtung angebracht. In Frankreich kann der schrägen Kanalwände wegen oft nicht ganz an das Ufer gefahren werden, um anzulegen. Peti führt deshalb zwei Eisenstangen mit, an denen Anhängerkupplungen angeschweisst sind, die er dann schiffs-seitig in die fest montierten Kugeln an der Reling einhängt und land-seitig in eingeschlagene Stangen einhängt. Prima Idee!

 

 

24. Juli 2016

Wir satteln am Mittag unser Auto und fahren nach Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg Vorpommern. Zwar ist Rostock grösser, aber Schwerin ist wohl der kulturelle Hotspot des Bundeslandes. Wir haben uns übers Internet zwei Karten gesichert zur Openair-Aufführung der Oper AIDA von Giuseppe Verdi. Die Autofahrt ist für uns Schweizer bereits etwas speziell. Kilometerlange schnurgerade Alleen, dann wieder lange Waldpassagen, die nachts zu besonderer Vorsicht mahnen. Ist doch viel Wild auf den Beinen und die Strassenränder in den Wäldern sind nicht irgendwie gesichert mit Leitplanken oder blinkenden Gegenständen, wie wir das von zu Hause kennen. In Schwerin angekommen, sind wir überwältigt vom Anblick des Schlosses, dessen vergoldete Türme und Türmchen in der Sonne glänzen. Das Schloss liegt auf einer kleinen Insel, inmitten eines herrlichen Parks mit uralten Baumriesen. Hängebuchen bieten Unterschlupf von der Grösse eines Hauses. Das Eiscafé in der Orangerie ist Genuss pur. Ein wahres Märchenschloss, das heute auch Sitz des Landtages ist. Um neun soll die Aufführung beginnen auf dem alten Garten inmitten des Residenzviertels, umgeben vom Mecklenburgischen Staatstheater, dem alten Palais, dem staatlichen Museum und dem Schloss mit der vorgelagerten Siegessäule.

 

Schloss Schwerin

 

Die Orangerie des Schlosses

 

AIDA zeitgemäss. Bühnenbild und Kostüme sind gestaltet von der Schweizer Künstlerin Romaine Fauchère aus Sion

 

Neun Uhr. Wir sitzen nun auf unseren Plätzen und bestaunen die riesige Bühneninstallation. Kein traditionelles Bühnenbild, die Freitreppe und der Aufgang zum dahinterliegenden Museum werden in die Aufführung miteinbezogen. Wunderbar, wie das Licht eingesetzt und wechselnde Stimmungen erzeugt werden. Unverkennbar die vielen Bezüge, die der Regisseur zur aktuellen Gegenwart herstellt. So tritt il ré (der König) nie auf der Bühne auf, sondern singt seine Sequenzen für uns nur auf übergross projizierten Videowänden, gewandet in eine goldbetresste Uniform wie die heutigen ägyptischen Militärs, was seine Unnahbarkeit und Gottähnlichkeit symbolisiert. Die gefangenen äthiopischen Kriegsgegner stecken in den schrecklichen orangen Overalls, die wir kennen aus den IS-Hinrichtungen und den Gefangenen in Guantanamo. Auch der Einheitsgruss, mit dem die Massen ihrem Führer huldigen, der sie in den Krieg führt, ist als unverkennbarer Bezug zur jüngeren deutschen Geschichte zu lesen, auch wenn es hier die auf die Brust gestemmte Faust ist. So wird der eigentlich eher merkwürdige Plot Verdis zu einer fesselnden, gleichzeitig beklemmenden Geschichte. Südlich italienische, schöne, wunderbar lyrische Musik in coolem, mit wenig Requisiten auskommenden Ambiente. Unvergesslich, so wollen wir Schwerin in Erinnerung behalten!

 

Nachtrag: die eineinhalbstündige Fahrt durch die Nacht „nach Hause“ war der Preis, den wir für den wunderbaren Abend gerne bezahlt haben.

 

 

29. Juli 2016

Wir (Thesi vor allem) wollten die Zeit hier in Waren unbedingt nutzen und uns die Ostseebäder, Rostock und Wismar ansehen. Also ziehen wir die Schiffs-Vorhänge und fahren mit dem Auto los nach Rostock. Hand aufs Herz- was wisst ihr alles über Rostock? Wichtiger Ostseehafen, ex-DDR, fremdenfeindliche Ausschreitungen...alles wahr. Nur Rostock bietet viel mehr. Die Stadt wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges massiv bombardiert. Hier waren wichtige Kriegs-Industriefirmen angesiedelt, hier wurden Jagdbomber gebaut in den Heinkel-Werken. Heute ist Rostock eine pulsierende Stadt mit etwa 200'000 Einwohnern. Schwer zu sagen manchmal, was da nun noch mehr oder weniger original erhalten geblieben ist, was mit unglaublich viel Aufwand wiederhergestellt und was ganz neu gebaut ist.

 

Zentrum Rostocks ist der neue Markt

 

Rostocker Einkaufsmeile Kröpelinerstrasse

 

Abendrundgang mit dem Nachtwächter in der Alten Stadt rund um die Petrikirche

 

Wie wärs mit der Wohnadresse „Nikolaikirche 1“? Wohnen hoch über dem Kirchenschiff (heute genutzt als Eventlokalität). Die Wohnungen sind sehr begehrt, es gibt lange Wartelisten

 

 

Klar geht’s auch hier nicht ohne etwas Schiffiges. Das Schifffahrtsmuseum bietet da ein volles Programm an. Die Geschichte der Schifffahrt, der Werften (hier ist die legendäre Neptun-Werft beheimatet), der Berufe rund um die Schiffe etc. wird hier im Traditionsschiff Typ Frieden, dem ehemaligen Motofrachtschiff „Dresden“ präsentiert. Wir hielten nicht ganz durch und haben, wir gestehen es, zwei Decks ausgelassen.

 

Im Kriege wurden mangels Stahl, der für die Waffenschmieden gebraucht wurde, Schiffe aus Beton gebaut. Ja, Beton schwimmt auch! Den Schönheitspreis haben diese Dinger nie beansprucht.

 

 

Warnemünde, wenige Kilometer ausserhalb von Rostock, ist der Fährhafen zur Ostsee, vor allem aber gerne besuchter Hafen der Kreuzfahrtschiffe. Wir sind da fluchtartig wieder weggefahren. Stellt euch etwas vor wie ein Mix aus exklusivem Altersresort, Ballermann-Mallorca, Strandkorbidylle (die Dinger stehen da aber in Fünferreihen) und einer Flut von Ramschlädeli à la nordischem Mykonos. Durchflutet von tausenden Kreuzfahrt-Touristen.

 

Die „Royal Princess“ hat eben ihre Fracht ausgespuckt. Riesig, eindrücklich, macht nachdenklich. Das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt (nicht die genannte „Royal Princess“) kann 6'500 Passagiere beherbergen und wird von sechs gigantischen Motoren angetrieben...

 

Bildhauer haben ihren herkömmlichen Werkstoff eingetauscht gegen Sand.

 

 

30. Juli 2016

Wir fahren weiter nach Heiligendamm, der „Weissen Stadt am Meer“. Manche von euch werden sich erinnern- hier fand im Jahre 2007 der G8 Gipfel statt. Der Ort ist pleite. Die halb verfallenen Villen entlang der Strandpromenade zeugen von einstigem Glanz und Exklusivität. Der europäische Hochadel hat hier bis in die dreissiger Jahre seine Sommerfrische genossen. Die Villen suchen finanzkräftige Investoren. Es will irgendwie nicht so recht werden. Erst eine davon ist restauriert. Wunderschön, abgehoben, ohne Privatheit. 

 

Das Grandhotel Heiligendamm hat zu alter Pracht zurückgefunden. Der Portier trägt Frack und weisse Handschuhe und die Strandkörbe sind etwas chiiicer

 

Wer erlöst die Villen aus ihrem Dornröschenschlaf?