Logbuch

8. August

 

Ich lerne: wer was auf sich hält in Oranienburg, der ist tätowiert. Nicht nur so’n bisschen.

 

 

14. August

 

Aus Unachtsamkeit ist das Kran-Seil gerissen

 

Es ist heiss, sehr heisse 36 Grad. Deshalb will ich unser Sonnendach am Kran aufziehen. Auch bei solchen Temperaturen sollte man auf dem Schiff aufmerksam arbeiten. Nun, das war nicht mein Tag- das Stahlseil hängt sich unten am Querträger ein, derweil ich mit Hilfe der Hydraulik den Kran-Arm hochziehe. Es knallt und das Seil, das immerhin fast 2 Tonnen Tragkraft aufweist, ist gerissen! Das ist ein Job für die Spezialisten des Kranservice-Betriebes aus Berlin. Der zuständige Mann erkundigt sich am Telefon nach der Tragkraft und reagiert dann auf mein stolzes „1 Komma 8 Tonnen“ mit der Bemerkung „Ach Jottchen, det is aba niedlich!“

20. August

 

Fantastisch beleuchtete Orangerie des Schlosses Oranienburg

 

Schlossparkfest in Oranienburg. Der riesige Park voll mit Menschen. Und alle essen, flanieren, bestaunen Artisten bei ihren Kunststücken, Kinder spielen, Mütter essen holländische Waffeln und Väter hauen Currywürste rein, was das Zeug hält. Auf der Bühne gibt eine Schauspielerin die Berliner Hinterhof-Hausfrau im Kasak und mit Besen, eine Band kupfert die Abbas ab und spätnachts steigt eine gigantische Feuerwerks-Lasershow. Und dann gehen alle glücklich nach Hause. Wir sehen keinen einzigen Besoffenen und niemand pöbelt rum. So macht es Spass!

 

Weil man ja mal muss und bei viel Bier vielleicht mehrmals muss.

 

 

24. August

 

Überraschendes vor dem Reichstag in Berlin

 

Wir treffen unsere Freunde Christian und Charlotte Huber von der MS Kinette im Hauptbahnhof Berlin und spazieren zum gegenüberliegenden Regierungsviertel, von wo uns wunderschöne Alphornklänge magisch anziehen. „Schweizer Besuch in Berlin“ ist der logische Gedanke. Aber die tragen ja Lederhosen und haben Gamsbart-Hüte auf! Die Bayern sind da. Und wir müssen neidlos anerkennen- die können’s gut!

 

Schlaraffenland KA DE WE (Kaufhaus des Westens)

 

Wir schaffen nur das Erdgeschoss mit den Uhren und das fünfte Geschoss mit den Lebensmitteln. Kaum adäquat zu beschreiben! Wie Christian Huber sagt: „Der Käse, der nicht hier liegt, den gibt es schlicht nicht“. Alles jeroos, alles vom Feinsten. Man lustwandelt durch die Abteilungen und ist schon glücklich nur vom Schauen. Und geht raus- ohne was gekauft zu haben. Wir sind schlicht überwältigt vom Angebot.

 

 

1. September

 

Servicehafen Oranienburg

 

Nach sechswöchiger Sommerpause laufen wir wieder aus dem Servicehafen in Oranienburg aus mit dem Ziel Berlin. Der Hafen ist uns in diesen Wochen zur kleinen Heimat geworden. Nicht zuletzt verdanken wir das den beiden Hafenmeistern Hans und Klaus. Aber durchaus auch einigen Bekanntschaften, die sich so nach und nach ergeben haben. Dem alten Mann mit dem Fahrrad, der fast jeden Tag vorbeigeschaut hat und dankbar die leeren Flaschen und Dosen mitgenommen hat, deren Pfand ihm seine karge Rente etwas aufbessert. Karsten, dem Eigner der „AMORE MIO“ (welch schöner Schiffsname!), der sich ein Haus gleich am Eingang des KZ Sachsenhausen gekauft hat und das ein Superschnäppchen findet, weil die Alliierten das KZ seinerzeit nicht bombardiert hatten. Er kann also sorgenfrei buddeln und bauen, ohne Angst haben zu müssen, dass dabei eine scharfe Weltkriegsbombe um Vorschein kommt... Und auch der Kellner im italienischen Restaurant bleibt in Erinnerung, der mir nach dem Essen immer noch den Grappa offerierte. Nun ist es ja nicht so, dass wir da einfach blau gemacht hätten. Ganz im Gegenteil! Thesi und ich haben das ganze Steuerhaus und die Kukuk’s (Fenster-Oberlichter), die aus Iroko-Holz gebaut sind, angeschliffen und fünf Mal neu lackiert. Immer schön mit vierundzwanzig Stunden Trocknungszeit dazwischen. Ein ziemlich anstrengendes Geschäft und sehr wetterabhängig. Es soll nicht nass und möglichst nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Wir werden den Oranienburgern als fleissig in Erinnerung bleiben, schätze ich.

So um den 7. Oktober herum, nach unserer Berlin-Reise, werden wir dorthin zurückkehren, das Schiff einwintern und nach Holland fahren, wo noch immer unser Auto parkiert ist.

 

 

2. September

Vorbei am Zivilisationsmüll. Wir sehen viel Schönes auf unseren Fahrten, zweifellos. Hie und da aber kracht und stinkt es gewaltig. Dann passieren wir wieder einmal einen riesigen Metallschrott-Sammelplatz. Schiffe löschen hier ihre Schrottladungen oder laden Düngemittel. Das sind keine Traumjobs, den die Männer da machen müssen! Polnische Schubverbände pflügen mit ihren Kohleladungen durch die Kanäle und Seen. Ein Nebeneinander von harter Arbeit hier und Freizeitvergnügen dort. Die Matrosen schleifen und malen die Schiffe während der Fahrt. Auch wenn das Thermometer einmal 35 Grad anzeigt. Ihr Tag beginnt nicht selten um vier Uhr morgens und endet spätnachts irgendwo an einer Kanal-Kade.

 

 

4. September

 

Wir liegen wieder an unserer Traumloge, dem Dampfschiffanleger im Yachthafen Potsdam

 

Angenehme 20 Grad, freie Sicht auf den See, spiegelglattes Wasser am Morgen früh, die Stadt ist noch nicht richtig wach. Was machen wir heute? Vielleicht mit den Fahrrädern in die Stadt? Erst einmal sicher ausgiebig frühstücken, das ist bei uns ein Ritual, auf das wir nicht verzichten wollen. Anschliessend rein ins Übergwändli, runter in den Motorraum, Ölcheck, Kühlwasser kontrollieren, ist noch alles dicht? Um diese Jahreszeit sind die Decks am Morgen ganz nass. Die Möwen haben wieder den Kran vollgeschissen. Also mache ich mich an meinen Lieblingsjob Putzen. Logbuch habe ich gestern Abend schon erledigt, im PC-Navigo müsste ich noch die Samstagsfahrt nach Berlin-Tempelhof programmieren. Wir navigiere dann, wenn nötig, mit diesem Programm, das mir alle erdenklichen Informationen liefert über Schleusenbreiten, Wassertiefen, Häfen, gesperrte Strecken, Funkkanäle und in dem wir andere grosse Schiffe als kleine Pfeile sehen kann. Thesi füllt die Waschmaschine, studiert die morgige Fahrt auf den Wasserkarten, bereitet Tee für den ganzen Tag, kontrolliert, ob alle Geräte-Akkus aufgeladen sind, legt die Taue zum Trocknen aus. Solltet ihr nun das Gefühl haben, dass das ja alles mehr so Vergnügen sei, dann meine ich: Manchmal ist es das, ja. Manchmal aber definitiv nicht. Vor allem nicht, wenn alles nass ist, dreckig vielleicht auch. Dann fragt man sich, ob man das alles haben muss!

 

 

5. September

Zum zweiten Mal verlassen wir Potsdam, diesmal aber nicht Richtung Nord (Berlin Spandau). Wir drehen über Steuerbord ab in den Teltowkanal. Noch einmal diese zauberhafte, grüne Baumlandschaft, die wir so mögen. Der Kanal wird irgendwann enger, der Verkehr allerdings hält sich in dieser Jahreszeit sehr in Grenzen. Schönes ruhiges, problemloses Fahren bis... die Schleuse Kleinmachnow vor uns liegt. Eigentlich Routine, breit genug. Wenn da nicht pressante Yachties wären, die unbedingt vor uns in die Schleusenkammer drängeln und dann prompt mit viel zu grossen Abständen zu den Vorderschiffen festmachen. Für uns reicht’s nur noch ganz knapp. Wir entfernen den Flaggenstock, der Schleusenwärter fordert uns auf, ganz knapp aufzuschliessen. Geht aber gar nicht, weil Thesi sonst am Bug das schwere Schiff während des Schleusens nicht mehr festhalten kann. Ärgerlich! Macht Stress, wäre aber so einfach zu vermeiden, wenn sich alle an die Regeln hielten.

Am frühen Nachmittag laufen wir in den Hafen Berlin Tempelhof ein. Den Liegeplatz haben wir vor Tagen schon reservieren lassen. Hafenmeister Jens und gute Helfer stehen bereit und so machen wir die VERANDEREN sicher fest. Eine neue Welt tut sich auf hier. Ehemalige, jetzt toll renovierte Lagerhäuser, ergänzt durch raffiniert angefügte Neubauten rahmen das Hafenbecken ein. Drinnen sind die Lagerräume in Ladenpassagen umgebaut worden. Wir können uns mit allem versorgen. Neben uns liegt Hayri mit seinem türkischen Fischrestaurant. Alles selber zusammengeschustert, in den Mittelmeerfarben Dunkelweiss-Meerblau gestrichen. Heisst auf der Backbordseite „Berlin“ und auf der Steuerbordseite „Istanbul“. Sieht bisschen aus wie frisch angekommen von der Robinsoninsel und hat unglaublich viel Ambiance. Und man kriegt ganz fein zubereiteten Fisch und wird mit mediterranem Charme bedient.

 

 

7. September

 

 

Was machen Schiffer ganz sicher nicht, wenn sie in Berlin angekommen sind? Sich von einem Fahrgastschiff über die Spree und den Landwehrkanal kutschieren lassen. Genau das haben wir gemacht und es hat sich gelohnt. Einmal ganz entspannt zurücklehnen und die Stadt vorbeiziehen lassen. Der Museumshafen zieht vorbei, Kreuzberg rechterhand, Charlottenburg vor uns, verrückte Architektur, gediegene und wieder farbig-schräge. Und dann die Spree rauf, vorbei an der „schwangeren Auster“, dem Reichstag, Bundeskanzleramt und zurück zum Ausgangspunkt Friedrichstrasse. Wir reissen uns zusammen und besuchen den „Tränenpalast“ gleich neben dem Bahnhof Friedrichstrasse. Ein schrecklich miefiger Bau, dem die DDR-Führung seinerzeit so etwas wie Modernität und Offenheit zu geben versuchte. Hier wurde für DDR-Bürger ein Wiedersehen mit den Familien drüben im Westen möglich nach ausgiebigen Sicherheitsprüfungen und schikanösen Kontrollen. Heute geht das seltsame Glasgebäude fast unter zwischen den modernen Neubauten und man braucht schon Phantasie, sich die innerdeutsche Grenze mit der Mauer vorzustellen inmitten des pulsierenden Grossstadtlebens.

 

„Knorke“ Aussenwerbung? Nie gehört- knork?

 

Tradition und Moderne nebeneinander. Spannende neue Architektur, meisterhaft eingefügt in das Bestehende.

 

Eindrücklich, was in den Jahren seit dem Mauerfall in dieser Stadt alles gebaut wurde. Der Potsdamer-Platz etwa, einst Niemands- und Brachland zwischen Ost und West, ist heute ein pulsierender Ort. Hotels, Einkaufstempel, Theater und Restaurants ziehen shoppende Leute und Nachtschwärmer an. Und es geht weiter. Das Stadtschloss wird neu gebaut, die Philharmonie ist im Umbau, am Spreeufer werden ehemalige Industriebauten, Kraftwerke in Szenelokale umgestaltet. Das U-Bahnnetz wird erweitert und, und, und.

 

 

Hafen Berlin Tempelhof

 

Ein Beispiel für den oben beschriebenen Wandel ist der Hafen Tempelhof, unser Zuhause für vier Wochen. Die einst grauschwarzen Mauern der Lagerhäuser sind chic renoviert worden. Moderne, helle Ladenpassagen sind entstanden, es gibt so ziemlich alles, was man sich wünscht. Die alten Krananlagen stehen noch da, sind aber nur noch Dekoration. Dahinter und darunter haben sich Media-Markt, Burger-Restaurants, Bioladen, Apotheken und jede Menge Modeboutiquen eingenistet. Frau trainiert hier im „Super Women Club“ (Männer sind nicht erwünscht). Und wer sich’s leisten kann, heiratet hier im Event-Lokal und „verwöhnt“ dann spätnachts den ganzen Hafen mit Feuerwerk.

 

 

15. September

 

 

Besuch des Bundestages und der neuen Reichstag-Kuppel

 

„DEM DEUTSCHEN VOLKE“ steht über dem Eingangsportal des Reichstagsgebäudes. Der britische Architekt Norman Foster hat das ernst genommen und einen transparenten, offenen Umbau realisiert. Toller Kontrast zur absoluten Nüchternheit des Plenarsaales, dessen einziger Schmuck die liebevoll „fette Henne“ genannter Reichsadler ist, bildet dann die gläserne, verspiegelte Kuppel. Wir zwei flanieren wie hunderttausende jährlich den sich nach oben schlängelnden Rundweg innen der Kuppel entlang nach oben. Geniessen den herrlichen Blick über die Stadt, hinüber zum nahe gelegenen Brandenburger Tor, weiter zur Siegessäule, von den Berlinern „Gold-Else“ genannt, zum Fernsehturm am Alexanderplatz, zur Museumsinsel. Und zwängen uns dann in den Lift zu all den anderen „Sardinen“, die wieder hinunter wollen. Unten reichts noch für die erste Currywurst, die wohl nie wirklich meine Leibspeise wird. Wie ich offen zugebe, bin ich froh um die Italiener, Inder, Thais, die andere Küchen anbieten. Ich kann mich irgendwie schlecht an das Sommergericht „Eisbein mit Sauerkraut“ oder „Schweinebauch mit Pommes“ gewöhnen. Esse auch nicht gerne im Laufschritt Nudeln aus Pappbechern in der U-Bahnstation. Und die XXL-Burger finde ich auch nicht das Grösste. Obwohl das mit Sicherheit die grössten sind, die ich je gesehen habe. Die werden dann auch von den grössten und breitesten Frauen und Männern verinnerlicht, zusammen mit einem Pils, oder zwei. Aber die Stadt ist toll. Und wenn etwas toll ist in Berlin, dann is es chiiic, mit ganz langem iii gesprochen.

 

 

18. September

 

Futuristisches Sony Center am Potsdamer Platz

 

Theater „Stage am Potsdamer Platz“. Angesagt ist des Musical „Hinterm Horizont“. Alle grossen Hits des Schlapphutes Udo Lindenberg sind meisterhaft in eine Liebesgeschichte des Rockers und eines Ossi-Mädchens (von der wir nicht wissen, ob sie tatsächlich stattgefunden hat) und der Mauervergangenheit Berlins verwoben. Es rockt den düster dreinschauenden Stasi-Agenten in ihren beigen Regenmänteln und schwarzen Kunstlederhütchen gewaltig um die Ohren. Der Stasi-Oberindianer Erich Mielke kriegt sein Fett weg. Am Schluss taumelt die Stadt ihrer neuen Freiheit entgegen und alle werden eins, auch wir Zuschauer, die begeistert mit-singen und -klatschen. Die Gurtschnalle mit dem Schriftzug „PANIK“ wird zum Sinnbild für das Aufbegehren der Jugend von damals. Und das wird am Potsdamer-Platz gespielt, dem oben erwähnten Niemandsland von damals! Das Farbige hat gesiegt über das Graue, das Lebendige über das Miefige. Wir verlassen das Theater mit leuchtenden Augen. Der Platz draussen vibriert, die Restaurants sind voll (es ist sommerlich warm), die Taxis parkieren langsam um in die Nähe der Restaurants, in denen noch immer gegessen wird, als wär’s zwanzig Uhr. Wir tauchen ab in die U-Bahn und nehmen unsere „Heimlinie“ U6 Richtung Tempelhof die direkt neben dem Hafen hält. Und sinken weg in einen guten Schlaf, glücklich wie Kinder.

 

 

19. September

 

 

Fein aufgeschönt zum Konzert in die City

 

Wenn schon Kultur, dann aber gleich richtig. Heute geht’s in den schönsten Konzertsaal Berlins am Gendarmenmarkt. Wir haben uns erst noch etwas Anständiges zum Anziehen kaufen müssen. Weil- in der Fliessjacke macht’s nur halb so viel Spass. Und so mischen wir uns gestylt unter die Konzertbesucher und keiner sieht uns an, dass wir vom Schiff kommen. Ravel- fein gesponnene, sphärische Töne zuerst, dann im Anschluss das Klavierkonzert in B-Dur von Beethoven und zum Schluss Vollgas mit Tschaikowsky. Was für ein Genuss!

 

 

20. September

 

Berliner Dom im Abendlicht

 

Nach der Mittags-Siesta machen wir uns auf, erst einmal Richtung Trödler- Kunsthandwerker-Markt. Thesi hatte sich in eine Schieber-Mütze aus altem Sacktuch verguckt. Und die kaufen wir uns jetzt im zweiten Anlauf. Sie sieht umwerfend aus darin, schön schräg und frech!

 

Kleine Berliner-Episode als Einschub: Ich finde ein öffentliches WC, inklusive Klofrau mit Münzenschüsselchen davor. Es riecht, sagen wir mal, streng ätzend hier. Ich kann es mir nicht verkneifen und sage ihr das auch. Die Antwort kann berlinerischer nicht sein: „Na ja, det is hier ja ooch keene Schokoladefabrik!“

 

Später fährt uns die S2 zum Alexanderplatz und wir spazieren durch das Nikolai-Quartier. Sind enttäuscht ob der Ruppigkeit des Servierpersonals dort. Das kleine Quartier scheint uns etwas gar auf Alt-Berlin zurechtgemacht zu sein. Souvenirshops, viel Kitsch. Wenn ich die Augen etwas zukneife, könnte ich glatt im Interlaken meiner Bubenzeit angekommen sein mit den Elfenbein-Steinböcken in den Schaufenstern. Nur sind es hier Berlin-Bären, DDR-Abzeichen etc.

Zum Schluss versöhnen wir uns mit der Realität und besuchen den Berliner Dom an der Prachtsstrasse unter den Linden. Es ist kurz vor 18 Uhr, Gottesdienst-Zeit. Thesi und ich setzen uns kurz entschlossen da hinein. Der hell und stimmungsvoll erleuchtete Innenraum umfängt uns, gibt Wärme und Geborgenheit und selbst die dürre protestantische Liturgie tut dem Erlebnis keinen Abbruch. Ich hätte mir nicht vorstellen können vorher, dass mich das nach so vielen Jahren wieder so berühren könnte. Spätabends fährt uns die U6 wieder heim zum Hafen Tempelhof, zusammen mit biertrinkenden einsamen Männern, müden Verkäuferinnen und Jungmädchen mit den momentan sehr angesagten, an den Knien aufgerissenen Jeans. Berlin- du hast so viele Gesichter!

 

 

23. September

 

Einkaufen oder auch nur Staunen in den Hackeschen Höfen

 

Wenn Martin sich im Alter doch noch zur Krawatte bekehren liesse, dann wäre das der ultimative Laden dafür. Bei Auerbach Manufaktur in den Hackeschen Höfen werden alle Foulards, Krawatten und Fliegen von Hand hergestellt und zauberhaft präsentiert. Eine Fliegen-Wand wie ein gepixeltes Bild. Wunderschöne Farben und Stoffe meisterhaft verarbeitet. Er ist zum Schluss dann doch nicht konvertiert. Genauso schön sind nämlich die Foulards dort!

 

 

24. September

Warum berichten wir nicht mehr und öfters vom Schiff-Fahren? Nun, alles was irgendwie berichtenswert ist und Informationswert hat für andere Schiffer, findet ihr viel ausführlicher und präziser recherchiert auf der Website www.kinette.ch. Christian Huber  listet dort gute Liegeplätze, tolle Restaurants und solche, die noch Luft nach oben haben auf. Er beschreibt Routen, Reglemente etc. Und er tut das erst noch in ganz korrekter Fachsprache. Ich verschiebe mein Schiff manchmal noch, er verholt es.  

 

 

28. September

 

Foto Christian Huber MS KINETTE

 

Seit zwei Wochen liegen auch unsere Freunde Charlotte und Christian Huber mit der MS KINETTE hier im Hafen Tempelhof. Wir haben zusammen einen tollen Abend im Theater „Chamäleon“ in den Hackeschen Höfen genossen. Nicht minder fein war der Brunch, den uns Charlotte am herrlich sonnigen Sonntagmorgen offeriert hat. So macht das Leben Spass! Zur Abwechslung werden Charlotte und Thesi frei nehmen von ihren Männern und zu einem „Weiberabend“ in die UFA-Fabrik aufbrechen. Im Theaterstück dort geht’s glaub ich um ein Frauenleben ohne Männer oder so...