Logbuch

Dienstag, 1. August

Nationalfeiertag zu Hause, Arbeitstag hier auf der Werft. Es gilt, die letzten Auflagen zu erfüllen, um die Zertifizierung zu bestehen. Eine fest installierte Notausgang-Leiter will noch montiert sein, ein paar Elektrokontakte und Auspuffrohre sollen isoliert werden. Dann sind wir topgerüstet für weiter Jahre gute Fahrt! Jetzt freuen wir uns auf zwei, drei Wochen „Heimaturlaub“ zu Hause in Beatenberg. Wir stehen ja gerne dazu- in letzter Zeit hat uns manchmal das Heimweh nach den Berner Alpen gepackt. In Holland stehen im August die Räder still. Ferienzeit, die Holländer sind auf dem Wasser unterwegs, fluten die Campingplätze, südwärts ist die beste aller Optionen jetzt!

 

Der Surveyor ist zufrieden, die neuen Not-Abschlusshahnen sind montiert. Sie ermöglichen im Falle eines Brandes im Motorraum das Abschliessen der Dieselzuleitungen vom Steuerhaus aus. Hoffentlich brauchen wir sie nie!

 

Freitag, 4. August

Endlich ist auch die Absperrvorrichtung der Dieselleitungen installiert. Die Mechaniker hier sind die Ruhe selbst. Schwieriger Job? „Nicht für uns, wir finden immer eine Lösung“. Und wenn es schon keine passenden Teile gibt auf dem Markt, dann fertigen sie die Dinger halt selbst. Mittlerweile gleicht unser Steuerhaus langsam demjenigen einer Dampflokomotive. Und auch wenn’s grad wieder mal Bindfäden schifft, nehmen die Jungs das mit einer Gleichmut und Gelassenheit hin, dass ich mir manchmal schon etwas komisch vorkomme mit meinen Bedenken und Terminvorstellungen. Wir sind jetzt zum dritten Mal mit dem Schiff in der Werft, dabei ist meine Achtung vor diesen Männern stetig grösser geworden.

 

Unsere Werkstatt, eh schon proppenvoll bepackt, ist um einen Zugang reicher. Die verlangte Not-Ausstiegsleiter ist montiert.

 

Unser ganzes Denken war in den vergangenen Wochen fixiert auf die anstehenden Arbeiten. Da war kein Platz mehr im Kopf für die näheren Zukunftspläne. Jetzt wird es aber langsam Zeit, da oben umzupolen, uns einig zu werden, was jetzt geschehen soll. Nach Hause fahren, ausruhen oder was oder wie?

 

Nachtrag noch zum Wetter. War nicht so matchentscheidend bis jetzt. Aber eigentlich geht das verrückt zu und her. Die Temperaturen hier erreichen knapp 20 Grad, derweil Italien und Spanien 40 Grad vermelden und die Wälder brennen. Sommer darf man das nicht nennen, was wir hier erleben. Es giesst aus Kübeln, zehn Minuten später scheint die Sonne. Holländern macht das wenig aus, für sie ist jetzt Sommer und da werden die kurzen Hosen montiert und man isst draussen, mit Schirm halt oder Dächlikappe.

 

Samstag, 12. August

Noch einmal lackieren einer Steuerhaus-Seite, dann ist auch Thesi endlich zufrieden, einigermassen! Schlussendlich ersetzen wir auch noch die beiden Starterbatterien für die Maschine, eigentlich zwei Semi-Traction-Batterien von je 180 Ah. Die Dinger sind schwer und nur von zwei Mann in den Maschinenraum abzusenken.

 

 

 

Mittwoch, 16. August

Fünf Kartonschachteln und die beiden Flyer-Velos sind im Auto verstaut. Der Abschied vom nasskalten Harlingen fällt uns leicht, wettermässig kann es nur noch besser werden. Mit unserem Renault Traffic nehmen wir die lange Autobahnfahrt unter die Räder und siehe da, schon in Südholland hellt sich der Himmel leicht auf, uns kommt das wie ein Versprechen vor. Wir mögen mittlerweile die über tausend Kilometer nicht mehr in einem Tag fahren, gönnen uns stattdessen so alle zwei Stunden eine Pause und erreichen am späten Nachmittag unser kleines Hotel am Stadtrand von Koblenz. Ich habe das im Internet nach langer Recherche darum ausgewählt, weil es über ein ausnehmend gutes Restaurant mit einem Gault-Millau-Stern verfügen soll. Die Rezeption ist bei unserer Ankunft geschlossen, trotzdem gelingt es mir, durch suchendes Herumschleichen ums Gebäude jemanden zu alarmieren. Wir beziehen unser Zimmer und ruhen uns erst mal aus. So um fünf Uhr nachmittags finde ich die Ruhe im Restaurant selbst für ein Toprestaurant etwas seltsam und erkundige mich nach der Möglichkeit einer Tischreservation. „Wir sind für zwei Wochen geschlossen, hat man Ihnen das nicht mitgeteilt?“ Internet ist prima, das telefonische Gespräch aber manchmal immer noch der bessere Weg.

 

Donnerstag, 17. August

Zweite Etappe unserer Heimfahrt, Basel, Grenzübertritt, Pratteln Fressbalken. Eine Kleinigkeit essen und trinken- eine grosse Rechnung bezahlen. Auch nach sechs Jahren Leben auf dem Schiff  brauchen wir immer noch einige Zeit, uns an das Preisniveau in der Schweiz zu gewöhnen. Manches ist schlicht doppelt so teuer, ärgerlich ist das immer dann, wenn wir das exakt gleiche Produkt hier und dort kaufen.

 

Die Ankunft zuhause in Beatenberg lässt unsere Herzen aber schnell höher schlagen. Die Berner Alpen leuchten in der untergehenden Sonne golden-rosa zur Begrüssung, kein Wölkchen am Himmel, was für ein Gegensatz zu Harlingen! Wir gönnen uns noch ein währschaftes Nachtessen im benachbarten Gasthaus Riedboden (fast zu holländischen Preisen und sehr lecker) und sinken dann bei vollkommener Ruhe glücklich in unsere Betten.

 

 

Freitag, 18. August

 

 

Erwachen mit Blick auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Zwei herrliche Herbstwochen stehen uns bevor, ein Tag schöner als der andere. Frühstück mit Kuhglocken-Begleitung, wir mögen das, können nicht nachvollziehen, wieso sich mancherorts die Menschen deswegen so nerven. Wir sind jetzt ganz hier.

 

Die Gedanken schweifen schon hie und da ab zum Schiff. Wir haben eine Saison erlebt, die geprägt war von der Notwendigkeit, die VERANDEREN vorzubereiten auf den Survey, haben die Gelegenheit genutzt, in der Halle alle Arbeiten zu machen, die am Liegeplatz im Wasser schwer oder gar nicht zu machen sind. Das Steuerhaus ist neu lackiert, wir sind technisch auf dem neuesten Stand. Rumpf, Unterwasserschiff, Reling, das Gangbord und der Kran sind neu gemalt. Das Zertifikat für die nächsten sieben Jahre liegt da und wir machen uns mit dem Gedanken vertraut, unsere VERANDEREN zum Verkauf anzubieten.

 

In der grossen Halle kann man alle Arbeiten bei besten Bedingungen machen

 

Samstag, 16. September

Vier Wochen zu Hause- den Ausdruck dürfen wir jetzt gebrauchen. Nachdem uns im Frühling nach dem Umzug hierher nur gerade drei Wochen Zeit blieben, die neue Wohnung einzurichten, haben wir die Zeit jetzt nutzen können, ihr den letzten Schliff zu geben. Endlich hängen auch Bilder, die letzten Behördengänge sind gemacht, wir fühlen uns wohl. Nur mit der Suche nach einem Atelier harzt es wider Erwarten.

 

Wir brechen wieder auf nach Harlingen und möchten nach den Wochen in der Werft noch einmal einige schöne Fahrten machen können.

 

Sonntag, 17. September

Harlingen zeigt sich von der mausgrauen Seite. Uns holen die Erinnerungen an die Anfangszeiten unseres Schifferlebens damals in Groningen ein. Der Wind treibt die Wolken, kaum hat man sich zum Arbeiten draussen eingerichtet, wird man geduscht. Die Wetterberichte versprechen für die ganze Woche keine wirkliche Besserung, es ist im Gegenteil von Sturm die Rede, jedenfalls ist das ganz sicher kein Fahrwetter, auch wenn wir uns einiges gewöhnt sind.

 

Das Herz des Gourmets schlägt höher bei solch schönen Geschäften. Wir denken uns ein mit leckeren Trösterchen, die uns die Schlechtwettertage etwas aufhellen

 

Wir achten sehr darauf, neben dem leiblichen Wohl auch etwas für die Seele zu tun und das reiche kulturelle Angebot zu nutzen

 

Das kleine, aber feine Schiffsausrüstungs-Geschäftchen VAN MEER in Harlingen ist ein Eldorado für Liebhaber schöner (messingener) Beschläge und ist der holländische Ableger des deutschen Schiffsausrüsters TOPLICHT in Hamburg

 

Es ist ruhig geworden im Noorderhaven Harlingen. Die vielen Segler, die hier in der Saison ankommen, sind weg, man ist wieder unter sich und wähnt sich zwei, drei Jahrhunderte zurückversetzt in eine Zeit, als die Schiffe hier nicht zum Vergnügen anlandeten, sondern Waren aus aller Welt in die Speicherhäuser brachten

 

Freitag, 22. September

Wenn wir in den vergangenen Jahren etwas gelernt haben, ist es das: Auf einem Schiff kann man nichts erzwingen, die Natur ist immer stärker und man tut gut daran, das zu akzeptieren und sich entsprechend zu verhalten. Und wenn die Fahrpläne noch so schön ausgetüftelt sind, muss man halt rasch umdenken.

Wir sind uns schnell einig: Wollen die Chance nutzen, die uns unser Schiffsmaler mit seiner Halle gibt, hängen kurzentschlossen die Türen des Steuerhauses aus, um sie wieder neu zu lackieren. Da wir ein Lacköl verwenden, das fünf Mal gestrichen werden muss mit einer Trocknungszeit von vierundzwanzig Stunden zwischen den einzelnen Anstrichen, geht das eigentlich nur in einer Halle oder mit der Garantie, während einer Woche bestes Wetter zu haben. In Holland doch eher selten! Der geneigte Leser fragt sich vielleicht, wie oft wir denn sowas machen? Nun, wir machen es immer, bevor es wirklich nötig wird, also so etwa alle zwei Jahre. Das hat den Vorteil, dass die Lackschichten immer noch intakt sind und sich noch keine Feuchtstellen unter dem Lack gebildet haben. Und auch, weil es viel mehr Spass macht, mit einem schön gepflegten Schiff unterwegs zu sein.

 

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit fühlt man sich geborgen und gut aufgehoben in den alten Beizen, wo man sein Bier stehend an der Theke trinkt, aber vor allem kommt, um andere Menschen zu treffen. Einsam bleibt man hier nicht lange, man schnorrt sich immer und überall an und ist per du